Wudang Shan – Daoismus 道教

Wudang Shan – Daoismus 道教

Wudang Shan – Daoismus 道教

Mit dem Bus ging es in 5 Stunden von Xi’an nach Wudang Shan. Hier besuchten wir Ben, einen Freund von Benny, der seit ca. 10 Jahren dort lebt und in einer Kung-Fu-Schule unterrichtet. Benny hat seinen Namensvetter auch mindestens seit 12 Jahren nicht mehr gesehen und so ist die Spannung groß.

Sobald wir es mit dem Bus aus Xi’an raus geschafft hatten, waren wir in der Natur: freie und perfekt ausgebaute Straßen, frische Luft und eine schöne grüne Berglandschaft links und rechts. Autobahnen wie mit dem Lineal gezogen.

Wir sahen viele Chinesen bei der Feldarbeit, die mit einfachen Mitteln ihre Felder bestellten. Wir waren in einer vollkommenden anderen Welt angekommen – ganz ohne Technologie und Strom. In der Stadt haben wir diese Chinesen schon oft gesehen, die gleich frisch vom Feld in einer Holzkiste ihres Fahrrads Teile ihrer Ernte verkauften. Ganz frisches Gemüse und Obst in allen Variationen.

Die Busfahrt ist angenehm, es wird nur vereinzelnd laut telefoniert und die eingeschweißten, marinierten Hühnerfüße werden hinter uns im Stillen verzehrt. Ein, zwei Pausen werden eingelegt für die menschlichen Bedürfnisse und ansonsten fahren wir mit 100Km/h über die Bahn.

In Wudang Shan angekommen, stellte sich der Busbahnhof als halber Schotterplatz dar. Mehr von dem was hier steht war Schrott, als Auto oder Bus. Netterweise hatte Ben uns ein Taxi organisiert, welches uns sogleich in die Stadt zum chinesischen Doktor brachte. Dort wartete er mit ein paar Schülern, die vom Doc untersucht wurden. Unsere Taxifahrerin war sehr freundlich und lustig und auch wenn wir einander mit keinem Wort verstanden haben, war die Fahrt sehr angenehm mit ihrem roten Flitzer.

Die Wiedersehensfreude mit Ben war natürlich groß, wobei es einem nicht so vorgekommen ist, als ob man sich 12 Jahre nicht gesehen hätte. Das Band welches man in seiner Jungend knüpft, ist ein dickes und sehr dehnbares wie es scheint. Ein tolles Erlebnis nach so langer Zeit und dann auch noch in China – und nicht in Düsseldorf in der Altstadt nach 5 Bier.

Ben organisierte uns eine wirklich gute, zentrale Unterkunft für günstige 80 Chinesische Yuan. Wenn man fließend Chinesisch spricht und die einheimischen Verhandlungsstrategien beherrscht ist vieles einfacher und günstiger. Ben hat sich nach so langer Zeit in China perfekt integriert. Die Art und Weise seiner Kommunikation lässt auf eine tiefe Verbundenheit mit China und seinen Einwohnern schließen. Er scheint dieses Land wirklich sehr in sein Herz geschlossen zu haben! Das merkt auch jeder Chinese und es kommt uns so vor, als ob diese ihn durchaus als “einen von ihnen“ betrachten würden.

Die eigentliche Hauptattraktion in Wudang Shan – neben Ben natürlich – ist der Wudang Shan Berg, der als der bedeutendste taoistische Berg und die Geburtsstätte des Taoismus gilt.

Auf dem ganzen Berg sind zahlreiche taoistische Tempel zu finden, die Namen tragen wie „Himmelssäulengipfel“ und „Purpurwolkentempel“. Mit Ben und zwei seiner Schüler, einem Inder und Ariane aus München, ging es an einem Morgen auf den Berg. Wir hatten Klamotten und eine Zahnbürste zum Übernachten mitgenommen – für den Fall der Fälle.

Gestartet wurde mit dem Bus. Hier gibt es nämlich ein Bussystem, welches die Tempel miteinander verbindet. So spart man sich den bestimmt doch sehr beschwerlichen und zeitintensiven Aufstieg. Die Hardliner gehen immer drei Schritte und werfen sich dann hin zum Beten. Diese Prozedur wollten wir uns ersparen kommen aber später bestimmt noch mal drauf zurück…

Wir hatten beide zuvor noch nichts über den Taoismus gehört und so war es interessant etwas über seine Geschichte und Ideen zu erfahren. Ben war da total in seinem Fachgebiet und erklärte uns alles was wir wissen wollten. Zu jedem Tempel konnte er uns die Gottheiten und die Geschichte erklären.

Mittagessen gab es für uns in einem Kloster kostenlos, unter der Bedingung, dass alles restlos aufgegessen werden musste. Die Taoisten oder zu mindestens das Kloster dulden keine Verschwendung und das ist auch schon eine Nudel auf dem Tisch. Aus diesem Grund musste alles aufgegessen werden was aufgetischt wurde- komme was wolle!

Wir entschieden uns spontan eine Nacht auf dem Berg zu verbringen, da wir an einem Tag noch lange nicht alles gesehen hatten und wir es vor allem noch nicht bis nach ganz oben geschafft hatten. Ariane blieb mit uns über Nacht, nur Ben und der Inder zogen von dannen. Beide hatten am nächsten Tag viel zu regeln.

Bei einem Bierchen saßen wir am Abend an einem schönen Aussichtspunkt und hörten einem Chinesen beim Spielen einer Flöte zu. Dieser sprach uns ein wenig später an und fragte uns in fließendem Englisch, wo wir denn so gut Deutsch gelernt hätten. Er wollte schon länger Deutsch lernen und fragte uns, ob es denn einfach wäre. Da kann ein Flöte-spielender, auf dem Berg lebender Mönch IN CHINA plötzlich fließend Englisch und möchte noch eine weitere Sprache lernen?! Und er wollte uns nichts verkaufen, noch sonst von uns Profit machen. Wir waren überrascht, haben ihm dann aber trotz seines offensichtlichen Sprachtalentes empfohlen, doch besser Spanisch zu lernen, weil er damit weiter kommt und wenn er schon so gut Englisch kann, solle Spanisch für ihn kein Problem sein. In diesem Moment klingelte sein Handy und er wurde zum Essen gerufen. Netterweise hat er uns dann noch ein Restaurant empfohlen und dort auch gleich unsere Bestellung aufgegeben. Wieder einmal ein sehr leckeres Essen ohne Fleisch.

Am nächsten Tag ging es dann schon um 6 Uhr morgens in Richtung Bergspitze auf 1612 m. Da es gestern bis zu 30 Grad heiß war und es an diesem Tag auch wieder werden sollte, nutzen wir den Morgen zum Aufstieg um die angenehmen Temperaturen noch zu nutzen und den Abstieg später in der Sonne genießen zu können. Es ging ca. 2 Stunden über Treppen steil den Berg hoch. Wir waren auf dem Weg nach oben ziemlich alleine. Ab und an kamen uns Leute entgegen, welche mit der Seilbahn hochgefahren sind und nun runtergehen. Überall konnte man Essen und Trinken kaufen, verhungern musste niemand von uns.

Oben angekommen, standen wir mitten in einem Tempel, der genau auf die Spitze des Berges gebaut wurde. Wir hatten ein tollen Rundblick und die Mühe den Berg hoch zu laufen, hat sich wirklich gelohnt. Nächstes Mal dann die Variante mit drei Meter gehen und dann hinschmeißen zum Beten.

Auf halber Höhe, nach endlosen Treppen, stiegen wir in den Bus um auf die andere Seite des Berges zu wechseln. Dort erwartete uns das Monkey Valley. Eine tolle Stecke die durch eine Schlucht führt durch die sich ein Wasserlauf schlängelt. Ab und an begrüßten uns Affen und wollten gefüttert werden, sonst nur Ruhe und Frieden.

Ein toller Ausflug der sich über zwei Tage erstreckte, dem wir gerne empfehlen wollen! Besonders spannend durch die sachkundige Führung von Ben!

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir im Hotelzimmer mit Klimaanlage und verließen das Gebäude nur um Essen und Trinken zu gehen. Wir verbrachten viel Zeit mit der Planung von unserem weiteren Reiseverlauf, da wir schon fast 30 Tage in China waren und mit unserem Visum nach dieser Zeit das Land verlassen müssen. Da wir auch nach Hongkong wollen, haben wir in Deutschland ein Visum zur 2-maligen Einreise beantragt und 2-mal 30 Tage bekommen. Um das Visum zu bekommen, brauchte man ein Flugticket aus China raus. Dieses haben wir damals auf die Philippinen gebucht, weil es hier Flüge für 50€ gab. Eigentlich wollten wir diesen Flug nicht nutzen und verfallen lassen. Nachdem wir jetzt doch eine längere Zeit in den Städten verbracht haben, sehnten wir uns nach Natur, nach Strand und Meer. Also Entscheidung für die Philippinen und gegen noch mal 30 Tage China.

Mit dem Zug geht es von Shiyan, einer Stadt in der Nähe von Wudang Shan, in 20 Stunden nach Guangzhou. Nachdem wir schon so gute Erfahrungen in unserem ersten Schlafwagen nach Xi’an gemacht hatten, dachten wir damals schon, dass wir die beste Klasse, also Softsleeper gebucht hatten. Aber der Softsleeper ist ein separates 4-Betten-Abteil, mit wirklich weichen Betten. Weiche Betten sind in China übrigens rar, auf jeden Fall in den Hotels. Wir hatten Glück – und hatten das Abteil die ganze Fahrt für uns alleine. Die Fahrt war sehr ruhig und schon bald schaukelte uns die gleichmäßig Fahrt in den Schlaf. Wir kennen keine gemütlichere und komfortablere Form zu Reisen und legen diese jedem ans Herzen.

In Guangzhou verbrachten wir dann noch ein paar Tage, bis unser Flug nach Manila ging. Da es hier unendlich heiss und schwül war und es auch nicht so viel für uns zu sehen gab, unternahmen wir hier nicht wirklich viel.

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One thought on “Wudang Shan – Daoismus 道教

  1. Jannis

    Wow, der Bericht und vor allem die Bilder, bringen mich zum Schmachten.
    Absolut traumhaft. Ich bin gestern erst von meiner Sommertour über die Alpen und durch Italien zurückgekehrt und würde am liebsten gleich wieder aufbrechen!

    Asien knüpfe ich mir auch noch vor 😉

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