Taiyuan

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Taiyuan fuhren wir nur an, weil es keine Tickets mehr nach Pingyao gegeben hat. Wir waren einfach zu spät dran, da wir für den gleichen Tag Tickets brauchten. Von Taiyuan aus kann man mit Bahn oder Bus in ein paar Stunden weiter fahren nach Pingyao.

Unsere erste richtige chinesische Zugfahrt im Soft-Seater war schnell, pünktlich und sehr bequem. Sie wäre auch ruhig gewesen, wenn nicht der dicke Chinese hinter uns mit komplett offenem Hemd während der ganzen Fahrt lautstark ins Telefon geschrien hätte. Dabei handelte es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um eine ganz normale Unterhaltung mit der Ehefrau oder der Mutter.

Es fällt uns immer wieder auf, dass viele Chinesen, die wir getroffen haben, rotzen, spucken und rumschreien ohne Rücksicht auf die Anderen. Dieser Teil der Bevölkerung ist sehr laut und prollig und bestimmt öfter mal das Straßenbild. Während sich der andere, der größere Teil, eher zurücknimmt und sich angepasst benimmt. Das beinhaltet aber trotzdem Spucken und Müll auf die Straße werfen. Viele sind aber auch sehr süß, lächeln einen an und plappern dich zu bis dein Ohr blutet – auch wenn du kein Wort verstehst.

Ebenfalls rauchen die Chinesen gerne und sehr viel und das ganz egal wo. Im Hotel, im Restaurant – einfach überall. Rauchverbote – wenn denn vorhanden- werden einfach ignoriert. Da sind wir im Westen schon etwas weiter. Modemäßig befinden wir uns hier für unsere Verhältnisse übrigens auf dem Mond: die chinesische Frau macht sich zwar gerne zurecht mit hohen (meist Plateau) Schuhen passend zu Glitzerkleidern/ Pailliettenkleidern/ rosa Märchenfeekleidern/Kleidern aus Spitze, aber der westliche Geschmack ist an China vorbei gezogen oder kommt noch. Von Schminke- und sei es nur das dezenteste Augen-Makeup- ist weit und breit keine Spur. Die Männer laufen hier einfach gerne im Unterhemd herum – natürlich über die Plauze hochgezogen. Hier scheint ein dicker Bauch ein Wohlstandsbauch zu sein, der dann gerne auch mal gestreichelt wird oder stolz getätschelt wird. In den Großstädten ist die Lage natürlich etwas anders, wenn auch nicht komplett abweichend.

Vor dem Bahnhof erwartete uns dann eine Megabaustelle, die sich dann auch bis zu unserem Hotel weiterzog. Hier wird eine Hochstraße gebaut und wie immer in China werden hier keine halben Sachen gemacht. Nichts Stück für Stück, sondern die ganze Hochstraße auf einmal – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche versteht sich. So ist man dann auch in kürzester Zeit mit solchen großen Projekten fertig und es erklärt sich auch wie China in kürzester Zeit ganze Städte komplett verändern konnte.

Nachdem wir die Riesenbaustelle überwunden hatten, konnten wir unseren ersten Kontakt mit Chinas Taxifahrern machen. Auf dem Handy haben wir mit Google Maps einem Taxifahrer unser Hotel gezeigt und schon kamen sie alles um zu sehen, wo wir denn hin wollten. Mit unseren 5 Wörtern Chinesisch konnten wir immer mehr Wörter, als alle um uns herum Englisch. Das hält sie alle aber nie davon ab, trotzdem mit uns zu sprechen und uns voll zu quatschen. Nachdem klar war, wohin es gehen sollte, durfte uns der fahren, der den niedrigsten viel zu teuren Preis nannte. Ein Taximeter haben sie alle, aber man muss kämpfen damit sie es anmachen, bzw. etwas Zeit und Energie verschwenden. Da es noch immer der unendliche 5-Uhr-Aufsteh-Mauertag für uns war, waren die 40 Yuan in Ordnung und 15 Minuten später lies der Taxifahrer uns schon in Hotelnähe raus nachdem wir ihn mit Google Maps durch die Nacht dirigiert hatten. Näher ging nicht, da vor unserem Hotel dieselbe Mega-Baustelle war. Im Hotel konnte wieder einmal keiner Englisch, alle lächelten aber nett und schauten gespannt in den Computer und suchten nach unserer Buchung oder so. Wir haben aber ein Zimmer bekommen und dieses war auch voll OK.

Am nächsten Morgen holten wir einiges an Schlaf nach und machten uns etwas später auf den Weg in die Stadt um uns einige Tempel anzuschauen, die auch Taiyuan zu bieten hat. Da es aber heiß war, sehr heiß, und staubig entschieden wir uns dann doch für einen entspannten Tag im Hotel. Zuvor machten wir noch einen Besuch im SPAR Supermarkt und deckten uns dort mit ausreichend Essen für den Tag (und die folgenden) ein. Für 4 Yuan (50 Cent) gab es dann in einem kleinen Straßenlokal unsere günstigste Nudelsuppe. Am besten ist es hier wirklich immer sich ein Straßenlokal zu suchen in dem was los ist und dann einfach auf einen Teller zu zeigen, der lecker aussieht. Taiyuan gehört zu Shanxi, und Shanxi ist laut LP für die Essignudelvariationen bekannt. Also Essig stand schon mal auf dem Tisch, damit konnten wir uns dann unsere Suppe verfeinern. Die Nudeln hier sind ziemlich lecker, besonders die etwas dickeren mundeten ausgezeichnet.

Am Abend zogen wir noch mal los in einen kleinen Park mit Tempel in dem wieder Mal getanzt und gespielt wurde. Die Leute suchen sich ihre Oase in den kleinsten Parks und genießen den Sommer.

In Taiyuan gibt es unglaublich viele neue Hochhäuser, teilweise noch leer stehend- und die es scheint so, als ob alle alten, flachen, hässlichen Häuser nach und nach hässlichen Hochhäusern weichen müssen.

Unser Ziel am Abend war die Food-Street, nach einer Weile merkten wir aber das es zu Fuß unendlich weit ist und so warteten wir auf den Bus. An der Bushaltestelle lernten wir eine super nette Chinesin kennen. Sie hielt uns auf ihrem Handy irgendwelche chinesischen Schriftzeichen hin und mit Hilfe des Google Translators konnten wir uns dann auch ganz gut verständigen. Eigentlich ging es nur darum, wo wir hin möchten und was wir da machen möchten, aber die ganze Situation war echt süß und ihre Offenheit und Freundlichkeit ist uns so zuvor hier noch nicht begegnet.

Die Food Street ist eine echt schöne, stimmungsvolle, Lampion-behangene Straße. Mit gegrilltem Tofu, Kartoffelchips am Spieß, Frühlingsrollen, Nudeln und einem frittierten Kräuterbrot war der Besuch dann auch ein voller Erfolg. Zurück ging es mit dem Bus und als der nicht mehr weiter fuhr, weiter mit unserem ersten Taxameter-Taxi für 5 Yuan.

Bestimmt keine Stadt die man unbedingt sehen sollte, trotzdem kann man auch solchen Städten etwas Gutes abringen – auch wenn es “nur“ die süße Frau aus dem Bus oder die Foodstreet war.

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