Fort Kochi

Fort Kochi

Fort Kochi

Der Flug war inklusive Zwischenstopps mit 17 Stunden angesetzt. Über Abu Dhabi und Colombo ging es nach Kochi und der Flug hielt was er versprochen hat. Keine Verspätung, freundliches Essen und auf dem Flug von Abu Dhabi nach Colombo und weiter nach Cochi eine gefühlte Quote von 99% indischen Männer.

Bei den letzten beiden Flügen waren eigentlich nur noch Inder im Flugzeug, die von einigen Ausnahmen abgesehen, total gesittet waren. Ab und an gestikulierte und rief der eine oder andere Inder mal wild zur Flugbegleitung, wurde aber von dieser bestimmt aber freundlich zurecht gewiesen.

Colombo und Kochi sind wirklich zwei süße Flughäfen, die die Wörter Hektik oder Stress nicht kennen. Allerdings sind die Sicherheitskontrollen auch mehr als fragwürdig. Aber sonst alles sehr angenehm und jeder war nett zu uns. Am Gepäckband wurden wir sofort angesprochen welchen Flug wir suchen würden und uns dann dass richtige Band gezeigt. Auch sonst, obwohl wir mit einer Airline aus Sri Lanka geflogen sind, konnte jeder von der Besatzung Englisch und es wurde auch ausschließlich mit den Passagieren im Flugzeug auf Englisch gesprochen, egal ob man zu den 1% Ausländern oder zu den 99% Indern gehört. Gleiche Spiel am Flughafen. Verrückt- wenn das eigene Land so viele verschiedene Sprachen spricht, dass man sich nur auf Englisch unterhalten kann. Englisch und Hindi sind die Amtssprachen, wobei Hindi nach der Verfassung in 22 Dialekte aufgeteilt wird. Dazu kommen aber noch zahlreiche Untergruppen, die nicht gelistet sind.

Zum Glück hatten wir einen katholischen Fahrer, der uns am Flughafen in Cochi abholte und pünktlich am Ausgang auf uns gewartet hat. Mit Jesusbild im Cockpit konnte uns so -bei unserer ersten Begegnung mit dem indischen Verkehr- nichts mehr passieren.

Die Straßen in Kochi sind eigentlich gar nicht so chaotisch, wie wir es uns gedacht haben. Eigentlich gibt es genau drei Regeln, die wir gerne an euch weiter geben.

Regel Nummer 1:

Der Stärke hat immer Recht und es versucht keiner das Gegenteil zu beweisen.

Lege dich nicht mit einem LKW an, du kannst nur verlieren und wirst es auch.

Regel Nummer 2:

Du hast eine Hupe, also nutze sie und hupe was das Zeug hält.

Die Hupe wird nicht unbedingt als Mittel um Aggressionen loszuwerden gebraucht, sondern als Hinweis, dass man auch noch da ist oder man gleich von hinten angeschossen kommt oder aber auch, dass man den Anderen gesehen hat.

Regel Nummer 3:

Wer Angst hat verliert.

Keiner fährt wirklich schnell und niemand möchte sich das Auto kaputt fahren. Auch die Motorradfahrer möchten nicht sterben. Eigentlich möchte keiner drauf gehen und so wird auch gefahren. Auch Fußgänger sollten nicht zögern, sondern sich zügig und sicher auf der Straße bewegen. Eigentlich läuft der Verkehr für die Masse an Autos und Menschen richtig gut. Als deutscher Bürger sieht das natürlich nur nach Chaos aus, ist es aber für die Inder nicht.

Wir residieren im alten Teil der Stadt, in Fortkochi, 5 Minuten vom Wasser weg, bei Saj Homestay. Der gute Mann, Mitte 40, spricht gut Englisch und ist eine wirklich herzliche Person. Auch seine Familie ist sehr freundlich und kümmert sich rührend um die Belange der Besucher.

Nach unserer Ankunft haben wir ein Frühstück Kerala Style bekommen: aus Kokosnuss, Reis und knuspriger Luchi, einem frittierten Ballonbrot aus Weizenmehl, mit Erbsen- und Papaya-Chutney. Dazu ein Ananas Drink und ein Masala Chai Tee. Der typische Schwarztee mit Milch, Gewürzen und Zucker. Laut Saj macht der Tee einen richtig fit und lässt einen gut durchatmen. War alles eine vorzügliche Kombination.

Beim Essen habe wir dann noch fix die Papiere geregelt und abgeglichen. Nach dem Essen ging es dann in unser auf gefühlte 10 Grad runter gekühltes Zimmer. Unser Zimmer ist echt komfortabel, hat ein eigenes Bad und einen Balkon. Jeden Tag wird der Raum gereinigt und es gibt frische Handtücher und Toilettenpapier. Es gibt absolut nicht an Saj Homestay auszusetzen. Ein wirklich guter Einstig in India. Ein Hoch auf Tripadvisor.

Saj kritzelte uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten in eine Karte und schon ging es los durch die Stadt. Dank Smartphones, GPS und Offline-Karten werden wir nie verloren gehen und so kann man einfach drauf loslaufen.

Wie schlenderten ein bisschen durch die Stadt und schauten in die diversen Läden rein. Wir beließen es allerdings dabei von außen zu schauen, da der Flug noch minimal zu spüren war und wir keine Verhandlungen führen wollten. Eine Sache die wir allerdings unterschätzt hatten war das Wetter! 35 Grad ist relativ warm und setzt dem Mitteleuropäer doch ganz schön zu. Der Spaziergang am Meer verschaffte kurzzeitig Linderung, aber auch nur bis zu einem bestimmten Grad. Nun erklärt sich auch, warum Unmengen von Männern in der Mittagszeit im Schatten gelegen haben und schliefen.

An der Promenade konnte man frischen Fisch kaufen und sich diesen in einem Restaurant zubereiten lassen. Es gab Handmade Schmuck zu kaufen und Eis. Die Händler waren freundlich und nicht nervig. Ganz besonders lächelten diese stets auch bei einer Absage von unserer Seite.

Auffällig waren, wie wenige Frauen am Leben abseits der Arbeit teilnehmen. Ebenfalls haben wir kaum Mann und Frau gesehen, sondern immer nur Männergruppen und Frauengruppen. Ehepaare sind so gut wie nie Hand in Hand zu sehen. Auch im Bus wird nach Geschlechtern getrennt, da Männer die vollen Busse wohl gerne zum Begrabschen der Frauen nutzen. Insgesamt, auf die ersten 3 Tage gesehen, konnten wir allerdings nicht erkennen dass Frauen im öffentlichem Leben unterdrückt oder schlecht behandelt werden. Möglicherweise bekommt man es aber auch nicht mit und es läuft viel subtiler und für Ausländer nicht wahrnehmbar. Möglicherweise ist es hier im Süden auch anders als im Norden. Wir werden weiter die Lage beobachten.

Nach unserem Spaziergang war erst mal ein Mittagsschlaf angebracht um dann gleich wieder los zu laufen den Sonnenuntergang zu beobachten und vergeblich nach einem bestimmten Restaurant Ausschau zu halten, welches falschen der Karte bei Tripadvisor eingezeichnet war. Zwischendurch setzten wir noch den ATM bei unserer Herberge außer Funktion, nachdem wir unser Geld bekommen haben und kauften ein Umhängetasche Made in India.

Dank Internet im Zimmer konnten wir das gewünschte Restaurant dann doch noch ausmachen und genossen für 6 Euro wunderbar Fisch und Fleisch mit 1l Cola plus Suppe. Wohlgemerkt aßen wir in einem der besseren Restaurants. Für 2 € kann man auch schon essen auch ohne mit Durchfall nach Hause zu gehen…haben wir auf jeden Fall gehört.

Auf dem Rückweg dann noch schnell eine versiegelte Flasche Wasser für 25 Cent gekauft und dann weiter in eine Bar um das lokale Bier zu testen. Im Restaurant zuvor gab es kein Alkohol. Das Bier, Kingfisher, war eiskalt und richtig lecker. Die 650ml wurden schnell vernichtet und zeigten schnell Wirkung. Die lange Zeit ohne Schlaf, Zeitverschiebung und die 35 Grad begünstigten die Wirkung nicht unerheblich. Im Hotel duschten wir noch mal kalt oder was eben Wasser mit 28 Grad ist und waren sogleich im Traumland.

Tag 2

Natürlich wollten wir am Tag 2 sofort eine Tour durch die Backwaters machen. Die Backwaters sind ein verzweigtes Wasserstraßennetz. An der Buchen war nicht nötig haben wir am Tag zuvor gehört. Einfach um 7.30 frühstücken und dann eben sagen dass man gerne dabei sein möchte und dann läuft das. Tja, genau sogar es auch. Punkt 8 war das Auto da. Wir sammelten noch ein paar Gestalten ein und fuhren dann ca 1h durch die Straßen mit interessanten Überhol Manövern und die Aussicht auf die Inder rechts und links der Straße. Die Schulkinder waren alle blitz und blank herausgeputzt mit strahlenden Hemden in ultra-weiß. Schule muss ganz schön repräsentativ sein.

Ausgestiegen kurz hinter einer Brücke und mitten rein ins Grüne. Quasi an das Haus der Lokals geklopft und ein Boot bestiegen. Relativ relaxt mit 8 Leuten und dem weiblichem Guide losgerudert. Ein Motor hatte unser Boot nicht. Nur vorne und hinten stand jeweils ein Mann, der mit einem langem Bambusstock das Boot antreibt. Was für eine anstrengende Arbeit. Es sollte sich rausstellen das 8 Leute für unsere Schiff sehr wenig sind, da wir sogleich ein Schiff gesehen haben belegt mit 20 Personen. Da hatten wir wirklich genug Platz für unseren persönlichen Raum. Gezahlt haben wir 800 Rupien pro Nase und waren somit noch ein Stück mehr zufrieden als zuvor.

Insgesamt waren wir ca. 6 Stunden auf dem Boot unterwegs. Wir haben das Treiben der Einheimischen am Flussufer beobachtet: Wäsche waschen, Angeln, Geschirr spülen- das ganze Leben spielt sich dort ab. Kinder haben gewunken, stolz ihren Fischfang präsentiert.
Die Einheimischen verdienen ihr weniges Geld mit Muscheln sammeln, das Fleisch geht auf den Markt, die Muschelhüllen werden in der eigenen Fabrik zur Zement Herstellung verwendet. Aus Kokosfasern werden Kanus verstärkt und Kordeln gesponnen. Wenn die Flut im August kommt, müssen die Einheimischen in die nahe gelegene Schule umsiedeln und müssen darauf warten, dass sie wieder in Ihr zu Hause zurück dürfen.

Die Fahrt war unglaublich langsam und zog sich über Stunden hin bis es am Mittag Essen gab. Die Natur ist sehr schön und es ist eine heimliche Ruhe, die durchatmen lässt und den hektischen indischen Straßenrummel vergessen lässt. Insgesamt haben wir es uns aber noch etwas spektakulärer vorgestellt als es war. Möglicherweise bessert sich das Erlebnis, wenn man sich ein Hausboot für 2 Tage mietet und dann auch eine Liege hat. Immerhin hatten wir Schatten im gesamten Boot für den wir dankbar waren. Das Essen war ohne Fleisch und Wasser aus versiegelten Flaschen war auch vorhanden. Es war wieder sehr schmackhaft und gut gewürzt. Der Guide zeigte uns dann noch eine paar lokale Pflanzen hier und da und dann ging es auch schon wieder einen anderen Weg zurück. Besonders die Cashew-Nuss hat uns überrascht, wusstet ihr das sie auf einem Apfel wächst? Der Rückweg wurde dann mit schlafen verbracht, da es einfach zu heiß war und zu eintönig.

Die Rückfahrt mit dem Auto war dagegen nicht langweilig sondern durchweg interessant. Das Stress-Level war beim Fahrer höher als zuvor und alle haben gehupt wie blöd, aber zum Glück befolgte jeder die drei goldenen Regeln und so sind wir dann noch sicher und ohne Verluste im Homestay angekommen.

Abends dann noch schnell einen Happen essen und anschließend in die Seagullbar am Hafen einchecken. 2 Frauen aus dem Westen, sonst nur Inder. Die Tische kleben, aber die Bar liegt direkt am Wasser mit Ausblick auf den Hafen. Die Inder kloppen sich Rum oder Whisky aus Platikflaschen mit Wasser verdünnt rein und raucheN was das Zeug hergibt. Diese Bar ist schon ziemlich einheimisch und wir werden genau inspiziert. Das Bier ist gleich ein Drittel billiger als in der Touristinbar, schmeckt aber genauso und ist eiskalt. Bezahlten ist dann gleich etwas schwieriger da keiner richtig Englisch kann, aber römische Zahlen sind dann doch verständlich und so ziehen wir davon.

Tag 3

20 Rupien für das TukTuk zum Hafen sind genug um uns den Gang durch die Mittagssonne zu ersparen. Am Hafen zahlen wir gleich mal 10 Rupien für uns beide damit wir auf die Fähre dürfen und setzen über nach Cochi Town. Noch mal ein TukTuk für 40 Rupien gekauft und dann waren wir auch schon auf der Einkaufsstraße. Ob das Wort Einkaufsstraße so passend ist, ist bestimmt streitbar. Der Bürgersteig ist fast nicht vorhanden und die Kanalisation liegt teilweise offen. Zeitweise kann man nicht zwischen dem Geruch von Essen und von der Kloake unterscheiden. Die Straßen sind ein wildes Chaos, aber die richtigen Autos haben schon die Oberhand. Schrottkarren zeigen sich wenig, dafür tausende Motorräder. Eine klimatisiert Mall haben wir gefunden mit allen westlichen Marken zu Preisen die sich wohl kaum einer leisten kann, der hier wohnt. Beim Eingang gibt es Sicherheitskontrollen mit Metall Detektoren der wild bei uns piept, aber der Sicherheitsmann winkt uns einfach durch. Er winkt auch alle anderen durch, bei denen es piept. Für uns ist nichts dabei und uns kommt es auch nicht sehr indisch vor. Außer der Klima können wir den Geschäften nichts abgewinnen und verschwinden schnell wieder um richtig einzutauchen.

Nach ein paar Schritten dann ein Brautmoden Geschäft gesehen und gleich reingesprungen. Überall nur Inder und wir. Hier wird Annika bestimmt fündig mit der Suche nach einem indischen Outfit. Bingo gleich mal 5 verschiede Punjabis mit in die Umkleide genommen. Teilweise lustig, teilweise schön und einmal sehr schön. Die Verkäuferinnen will uns gleich 3 Teile andrehen, aber wir begnügen uns mit einem Teil und freuen uns für 1700 Rupien ein original indisches Outfit gefunden zu haben.

So richtig gefällt uns die Straße nicht, voll Chaos. Also ab in die Parallelstraße und gleich Volltreffer. Hunderte von kleinen Läden reihen sich Geschäft an Geschäft. Erst kommen die Metallbauer, die Lampengeschäfte, die Spielzeugläden und dann die Lebensmittel und der Markt. Yeah so stellen wir uns Indien vor. Wir sind nun auch die einzigen Wrestler. Nicht dass es zuvor viele waren, aber nun sind wir alleine auf weiter Flur. Das Obst sieht verlocket aus und wird sofort gekauft. Die Leute schauen zwar wie Autos wenn sie uns sehen, allerdings nicht aufdringlich und es belästigt uns nun wirklich nicht. Die Atmosphäre gefällt uns richtig gut und wir freuen uns schon auf die nächsten Märkte in Indien.

Wieder zurück in Fort Cochi haben wir eine Nachricht das unsere Bahn Tickets nach Goa gebucht sind und wir 3500 Rupien für den Schlafwagen mit Reservierung zu zahlen haben. Unser Host, Saj hat die ganze Nummer per Telefon geregelt. Wir sind sehr dankbar dafür weil es uns somit erspart selber am Bahnhof anzustehen und zu warten. Die Tickets nach Goa waren nämlich schon ausverkauft und man konnte nur noch morgens anstehen und hoffen das welche übrig bleiben.

So ist alles im Lack, wir freuen uns auf die erste Zugfahrt und haben die neue Bleibe schon gebucht. Ein Tag am Strand im Bungalow für 1000 Rupien -das passt!

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